Durch Niederlande und Deutschland

Hier berichtet Pavel über die extreme Tour, die er szusammen mit Vitali an einem Samstag gemacht hat. Ein Abenteuer, das sich die beiden Triathelten des Sc Altenrheine als Ersatz für den ausgefallenen Ironman in Barcelona ausgesucht haben.

Da ich schon eine 250 km Tagesreise mit meinem Rennrad gemacht habe, hatte ich schon gute Erfahrung gehabt, um genug Wasser und Essen mit zu nehmen. Die Reise habe ich Pavel und Vitaliüberwiegend durch Niederlande geplant, weil ich es sehr genieße dort zu fahren. Die Straßen und Fahrradwege sind dort ausgezeichnet und man wird nicht von jeder Ecke gehupt, wenn man auf der Straße mit dem Fahrrad fährt. Die Route war von Mesum aus nach Arnhem über Enschede und einige kleine Dörfer und Felder. Von da aus nach Nijmegen und dann Richtung Heimat über Wasserschloss Ahaus und Wasserschloss Darfeld. Unterweges haben wir auch zwei Fähren genommen. Ich habe Vitali angeboten mit mir zu fahren und er hat zugesagt. Ich hatte 1,5 l Flüssigessen, 1 l Isogetränk, mehrere selbstgemachte Energieriegel und Bananenbrot eingepackt. Unter anderem habe ich auch Cetirizin (ich bin Allergiker), Vaseline für einige Körperstellen und einiges mehr mitgenommen. Das hat alles in meinen kleinen Rucksack gepasst.

 

Tag der Reise
Gestartet sind wir um 6 Uhr morgens. Ausgerechnet wurde, dass wir mit ca. 25 km/h im Durchschnitt um ca. 19 Uhrwieder Zuhause sein sollten. Es war ganz schön kühl an dem Morgen - ca. 9°C und tagsüber sollten es 16°C sein. Also waren wir ziemlich warm angezogen. Die ersten Kilometer verliefen sehr schön. Ich habe mein Navi am Lenker gehabt und mit einer extra Powerbank ausgerüstet, damit die Batterie auch in 13 Stunden genug Saft hat.Pavel und Vitali 300km Tour 3

 

Pavel und Vitali 300km Tour 2

Bis nach Enschede ist der Weg schon sehr bekannt, denn wir fahren diese Route sehr oft. Nach Ochtrup und dann Richtung Enschede merkt man sofort, wie unterschiedlich Architektur und Menschen bei unseren Nachbarn sind. Die Häuser und Felder sind sehr gepflegt und die Straßen sind einladend. Was ich schon vorher gemerkt habe, mögen Niederländer das Wandern. Die packen die Rucksäcke, ziehen die Wanderschuhe an und laufen los. Es gibt auch sehr viele, die mit Ihren Fahrrädern unterwegs waren. Um mit genug Kraft durch den Tag durch zu kommen, haben wir jede Stunde was gegessen. Es ist bekannt, dass wenn man Hunger bekommt, ist es schon zu spät. Die ersten 100 km haben wir schon um kurz vor 10 gemacht. Wir waren sehr entspannt und ruhig unterwegs. Da haben wir auch eine Oldtimer Ausstellung entdeckt - war sehr schön. Die Natur war schon auf den Herbst vorbereitet und die Farben waren einfach fantastisch - so golden und warm.Enschede 


Dann kam die erste Fähre und kurz danach der erste Hot Spot - Arnhem. Dort haben wir eine Pause gemacht, haben uns den Wochenmarkt angeschaut und sind weiter nach Nijmegen gefahren. Dort wollten wir eine etwas längere Pause machen, eine Pizza essen und schon langsam zurück nach Deutschland fahren. Nijmegen ist die älteste Stadt in den Niederlanden und die Altstadt sieht sehr schön aus. Viele Holländer saßen in den Cafés, haben das tolle Wetter Pavel und Vitali 300km Tour 4genossen und der Wochenmarkt war auch sehr gut besucht. Nach einer kleinen Pizzapause sind wir zurück nach Deutschland gefahren. Die Hälfte war schon durch und wir haben uns noch gar nicht müde gefüllt.

Ab ca. Kilometer 200 habe ich angefangen die Müdigkeit zu spüren. Bis nach Ahaus waren es noch ca. 35-40 km und der Hintern spürte schon jede Unebenheit. Das war schon ziemlich unangen

ehm. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich meinen Aerolenker hatte, denn ich konnte mich liegend bisschen ausruhen.

Nach ca. 220 km habe ich meine Wand getroffen. Es ging nichts mehr. Ich konnte einfach keinen Power mehr auf die Pedale geben. Ich war sehr müde. Der Hintern tat sehr weh. Die Laune war auch sehr mies… Ich wollte nicht sprechen, ich wollte nichts essen, nichts trinken… ich wollte Pavel und Vitali 300km Tour 7einfach nach Hause. In Ahaus angekommen haben wir uns ganz schnell das Schloss angeschaut und sind dann Richtung Darfeld gefahren. Das war für mich persönlich schon eine Herausforderung. Nach so vielen Kilometern war ich absolut leer. In Darfeld, bei Kilometer 267 ging es wieder mit mir bergauf. Die innere Wand war vorbei. Ich habe realisiert, dass es nur noch 30-35 km bis zu meiner Haustür sind. Das hat sehr geholfen. Die Kraft war wieder da und wir konnten wieder normal fahren. Auf dem Bahnradweg waren wir voller Freude und ziemlich flott unterwegs. Ich glaube mit 39 km/h waren wir beide sehr zufrieden. Und dann kam eine Überraschung - Vollsperrung des Weges und wir sollten in Burgsteinfurt der Umleitung folgen – da haben wir ca. 3 km mehr gemacht und ca. 10 min verloren. Als ich Zuhause angekommen bin, war es schon dunkel. Ich habe mich um 1 Stunde verrechnet und war um 20 Uhr nach 14 Stunden und 303 km Zuhause. Nach ca. 10 km meiner Reise hatte ich einen komischen Gedanken: ich fahre heute 300 km - und was mach ich weiter? 350 km? 400 km? 24h fahren? Aber am Ende des Tages war ich so leer, dass ich erstmal nichts machen wollte. Kein Fahrrad - einfach nichts.

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Zeit danach
Ich hatte keinen Muskelkater, oder irgendwelche Verletzungen - ich war wirklich sehr gut vorbereitet. Am nächsten Tag habe ich ein paar Dehnübungen gemacht und mich mit der Rolle massiert. Aber ich war geistig leer und wollte wirklich keine weiteren Radtouren. Jetzt mittlerweile überlege ich mir tatsächlich eine andere Route. Vielleicht keine 400 km, aber 300 km möchte ich nochmal machen.

Pavel und Vitali 300km Tour 8