Der Langdistanztirathlon Roth ist für viele Triathleten auf der Welt das Synonym für herausragende Organisation, unendlich viele begeisterte Zuschauer und ein einzigartiges Flair. Das die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Radkilometer und der Marathon immer eine außergewöhnliche sportliche Herausforderung sind, wird meist er im zweiten Atemzug genannt. Auch die Ausdauersportler des SC Altenrheine haben im bayerischen Roth außergewöhnliche sportliche Wettkämpfe erlebt.Aber 2022 war Roth für das SCA-Duo Manfred Ricklin und Michael Mittelberg kein gutes Pflaster. Eigentlich hatte der SC Altenrheine mit den beiden erfahrenen Triathleten zwei Aspiranten für einen Treppchenplatz in der AK 65 bzw. 60. In den letzten Jahren hatten die beiden bewiesen, dass sie zu den Besten in ihren Altersklassen gehören können. Ricklin hatte auch auf Grund seiner hervorragenden Radleistung 2019 die AK 60 gewonnen und Mittelberg katapultiert sich mit einer Marathonzeit von 3:40 Stunden in die vorderen Ränge seiner AK.

Hätte, wenn und aber. 2022 sollte in Roth nicht das Jahr des SCA werden. Manfred Ricklin spürte schon beim Schwimmen „der Tank ist nicht voll, er ist höchstens halb leer“. Nach der Hälfte der Schwimmstrecke machten sich schon Krämpfe in den Beinen bemerkbar. Auch bei seiner Lieblingsdisziplin, dem Radfahren, kam der Power nicht zurück. „Schon auf den ersten 70 Kilometer ging nicht viel. Ich wurde regelmäßig überholt, kam die Berge nicht hoch und selbst am Solarer Berg, dem mit seinen Zuschauermassen emotionalen Hotspot der Radstrecke, bin nur hochgekrabbelt“ beschreibt Manfred Ricklin die zweite Disziplin. Immer wieder musste Ricklin die Beine lockern, doch der gewohnte und lang antrainierte „Dampf“ kam nicht zurück. Nach dem Wechsel zumRoth 2022 Manfred Ricklin Lauf versuchte der Altenrheiner noch einige Kilometer in einen Rhythmus zu kommen. Das gelang nicht und Ricklin zog die Reißleine. Er stieg nach drei Laufkilometern aus. „Mein Körper wollte heute keine Langdistanz, das muss man akzeptieren. Aber es kommen noch andere Rennen“ zog Manfred Ricklin seine Rother Bilanz.

Für Michael Mittelberg, der schon sechs Mal in Roth gestartet ist, begann der Wettkampftag mit einem Schreck. Bei der Radkontrolle stellte er einen Plattfuß fest. Der war schnell behoben. „Schlimmer kann es nicht mehr werden“ dachte sich Mittelberg. Doch es wurde schlimmer. Nach einem guten Schwimmauftakt mit einer Zeit von 1:22 Stunden, sprang der Altenrheiner in den Sattel. Schon beim Einstieg in das Rennradpedal brach von der Schuhplatte ein entscheidendes Stück ab. Kurz danach rutschte die Sattelspitze ein Stück nach unten. An ein normales Rad fahren für die 180 Kilometer war nicht zu denken. Kein Wiegetritt am Berg, kein Ausschütteln der Beinmuskulatur oder ein entspanntes Dehnen des Rückens, nichts war möglich. Das quittierte die Beinmuskulatur von Michael Mittelberg mit Arbeitsverweigerung in Form von Krämpfen. Auch bei seiner Schokoladendisziplin, dem Laufen, ging es nicht besser. „Bis zum Wendepunkt laufe ich, da wartet die Familie“ dachte sich Mittelberg. Am Wendepunkt faste er den Entschluss, egal wie langsam ich bin, ich kämpfe mich durch. Mit einer Marathonzeit von 5:15 Stunden, mehr als eineinhalb Stunden länger als geplant, erreichte er nach 13:04 Stunden das Ziel eines besonderen Triathlon. „Sonst kann ich eine Langdistanz kalkulieren, wann bin ich wie schnell, heute war es purer Kampf mit sich selbst, aber damit auch eine besondere Erfahrung“ beschreibt der Altenrheiner Mittelberg seinen langen Triathlontag in Roth.Roth 2022 Michael Mittelberg